Lebenswichtige Regeln für das Arbeiten mit Anseilschutz
Allgemeine Anmerkung zum Modul
Einstieg
Lebenswichtige Regeln für das Arbeiten mit Anseilschutz
Arbeiten an Absturzkanten im Bauhauptgewerbe bergen tödliche Gefahren. Der korrekte Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz schützt Sie zuverlässig vor schwersten Unfällen. Die Einhaltung der SUVA-Vorgaben rettet Leben und erfordert höchste Konzentration.
Auf der Baustelle im Rohbau stehen Dacharbeiten an. Die Kollektivschutzmassnahmen wie Seitenschutz fehlen an dieser Kante. Es muss rasch eine Lösung her, um den Termin einzuhalten. Sie prüfen die Ausrüstung und stellen fest, dass das Seil bereitliegt, aber das Rettungskonzept noch unklar ist.
Regel 1 — Wir arbeiten nur mit Anseilschutz, wenn technisch keine kollektiven Schutzmassnahmen möglich sind.
Ich verwende den Anseilschutz nur, wenn technisch keine kollektiven Schutzmassnahmen wie Auffangnetze oder ein Seitenschutz möglich sind.
Vor dem Einsatz von Anseilschutz prüfen Sie immer, ob technische Kollektivmassnahmen wie Geländer oder Netze möglich sind.
Regel 2 — Wir arbeiten nur mit Anseilschutz, wenn wir dafür ausgebildet sind.
Ich arbeite nur mit Anseilschutz, wenn ich mich dazu in der Lage fühle und dafür ausgebildet bin.
Sie setzen persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz nur dann ein, wenn Sie dafür fachlich ausgebildet und körperlich geeignet sind.
Regel 3 — Wir überprüfen unsere PSA gegen Absturz regelmässig.
Ich untersuche meine PSA gegen Absturz vor und nach jedem Einsatz auf offensichtliche Schäden.
Sie kontrollieren Ihre Ausrüstung vor und nach jeder Verwendung gründlich auf Mängel und halten die Prüfintervalle ein.
Regel 4 — Wir bereiten Arbeiten mit Anseilschutz sorgfältig vor.
Ich spreche mit meinem Vorgesetzten ab, welches Sicherungssystem für den Arbeitseinsatz geeignet ist. Ich wende meine PSA gegen Absturz stets richtig an.
Sie planen die Absturzsicherung sorgfältig im Voraus und klären das geeignete Verfahren mit Ihren Vorgesetzten ab.
Regel 5 — Wir sichern uns an geeigneten und tragfähigen Anschlagpunkten.
Ich sichere mich ausschliesslich an Anschlagpunkten (Ankerpunkten), die ich zusammen mit meinem Vorgesetzten im Voraus bestimmt habe.
Sie hängen sich ausschliesslich an im Vorfeld festgelegten, dafür ausgelegten und tragfähigen Anschlagpunkten ein.
Regel 6 — Wir passen unsere PSA gegen Absturz individuell an.
Ich passe Auffanggurt und Helm meinem Körper an und sorge dafür, dass sie optimal sitzen.
Sie stellen Auffanggurt und Helm individuell auf Ihren Körper ein, damit diese im Ernstfall optimal sitzen und schützen.
Regel 7 — Wir beherrschen den Umgang mit Steigschutzleitern.
Ich benutze ortsfeste Leitern mit Steigschutzsystemen nur, wenn ich spezifisch dafür ausgebildet und ausgerüstet bin. Ich benutze immer den zum Steigschutzsystem passenden Schlitten/Läufer.
Sie nutzen ortsfeste Steigschutzleitern nur mit der passenden Ausrüstung und dem korrekten, kompatiblen Mitläufer.
Regel 8 — Wir treffen alle Vorbereitungen, um abgestürzte und im Seil hängende Personen sofort zu retten.
Ich arbeite nie allein, wenn ich mich mit PSA gegen Absturz sichere. Bevor ich die Arbeiten aufnehme, spreche ich das Rettungskonzept mit meinem Vorgesetzten und den Kollegen ab.
Sie arbeiten nie ohne ein funktionierendes Rettungskonzept und stellen die sofortige Bergung nach einem Sturz sicher.
Praxis-Szenario 1: Kantenarbeit ohne Kollektivschutz
Sie sollen Randarbeiten auf einem Dach ausführen. Ein Seitenschutz ist an dieser Stelle nicht montiert, obwohl Platz dafür wäre. Ihr Kollege meint, das gehe schnell mit dem Gurt.
Wie verhalten Sie sich richtig gemäss den Sicherheitsregeln?
- Ich steige sofort mit dem Gurt auf, weil das auf dem Bau so üblich ist.
- Ich fordere zuerst die Montage von kollektiven Schutzmassnahmen, bevor ich die Arbeit beginne.
- Ich sichere mich an der nächstbesten Versorgungsleitung und beginne mit der Arbeit.
Praxis-Szenario 2: Freigabe der Ausrüstung (Führungssituation)
Als Vorgesetzter bemerken Sie, dass ein neuer Mitarbeitender ohne Instruktion und ohne Prüfung des Anschlagpunktes mit dem Anseilschutz hantiert.
Was ist Ihre Pflicht als Vorgesetzte/r?
- Ich lasse ihn gewähren, da er motiviert ist und die Arbeit dringend erledigt werden muss.
- Ich stoppe die Arbeit sofort, weise ihn in die korrekte Handhabung ein und prüfe die Anschlagpunkte.
- Ich übergebe ihm die Verantwortung für die Gerätekontrolle und gehe zur nächsten Baustelle.
Das Wichtigste in Kürze
- Kollektive Schutzmassnahmen haben stets Vorrang vor der persönlichen Schutzausrüstung.
- Arbeiten Sie nur mit Anseilschutz, wenn Sie dafür ausgebildet und geschult sind.
- Überprüfen Sie Ihre Ausrüstung vor jedem Einsatz und halten Sie die Prüftermine ein.
- Verwenden Sie ausschliesslich definierte und tragfähige Anschlagpunkte.
- Stellen Sie vor Arbeitsbeginn sicher, dass eine sofortige Rettung organisiert ist.
Quizfragen (20)
1. Wann dürfen Sie persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz einsetzen?
- Wenn technisch keine kollektiven Schutzmassnahmen möglich sind.
- Immer dann, wenn es schneller geht als die Montage eines Gerüsts.
- Sobald die Baustelle eine gewisse Höhe erreicht hat.
2. Vor und nach jedem Einsatz untersuche ich meine PSA gegen Absturz auf offensichtliche Schäden.
Richtige Antwort: Wahr
3. Welche Anforderungen gelten für die Wahl der Anschlagpunkte?
- Ich wähle ausschliesslich im Voraus bestimmte und geeignete Anschlagpunkte.
- Jedes stabile Rohrsystem auf der Baustelle ist automatisch geeignet.
- Ich befestige das Seil dort, wo es für den Arbeitsweg am bequemsten ist.
4. Wie stellen Sie die Rettung nach einem Sturz sicher?
- Ich verlasse mich darauf, dass die Sanität innerhalb von wenigen Minuten eintrifft.
- Ich treffe alle Vorbereitungen für eine sofortige Rettung mit Mitteln vor Ort und arbeite nie allein.
- Eine Rettung ist nicht nötig, da der Auffanggurt den Hängetraum verhindert.
5. Ich benutze ortsfeste Leitern mit Steigschutzsystemen nur, wenn ich spezifisch dafür ausgebildet und ausgerüstet bin und immer den passenden ___ verwende.
Lückenwort: Schlitten
6. Wie muss ein Auffanggurt getragen werden?
- Er muss locker sitzen, damit man sich bei der Arbeit gut bewegen kann.
- Er muss individuell an den Körper angepasst sein und optimal sitzen.
- Die Grösse spielt keine Rolle, solange der Gurt geschlossen ist.
7. Welche Massnahmen haben gemäss Regel 1 Vorrang vor dem Anseilschutz?
- Technische kollektive Schutzmassnahmen wie Auffangnetze oder Seitenschutz
- Individuelle Absprachen mit den Arbeitskollegen
- Die Verwendung von ortsfesten Leitern ohne Steigschutz
8. Ich darf gemäss den Lebenswichtigen Regeln auch dann mit Anseilschutz arbeiten, wenn ich mich zwar fähig fühle, aber noch nicht dafür ausgebildet bin.
Richtige Antwort: Falsch
9. Wann müssen Sie Ihre PSA gegen Absturz gemäss Regel 3 auf offensichtliche Schäden untersuchen?
- Vor jedem Einsatz
- Nach jedem Einsatz
- Einmal im Monat
- Nur nach einem Sturz
10. Ich spreche mit meinem Vorgesetzten ab, welches Sicherungssystem für den Arbeitseinsatz geeignet ist und wende meine PSA gegen Absturz stets ___ an.
Lückenwort: richtig
11. Wer bestimmt gemäss Regel 5 im Voraus die Anschlagpunkte (Ankerpunkte), an denen Sie sich sichern?
- Ich bestimme sie zusammen mit meinem Vorgesetzten im Voraus.
- Ich wähle sie während der Arbeit spontan und allein aus.
- Das entscheidet ausschliesslich das Baustellenteam vor Ort.
12. Gemäss Regel 6 müssen neben dem Auffanggurt auch Helme individuell an den Körper angepasst werden.
Richtige Antwort: Wahr
13. Welche Ausrüstung gehört gemäss Regel 7 zwingend zur Benutzung von ortsfesten Leitern mit Steigschutzsystemen?
- Der zum Steigschutzsystem passende Schlitten oder Läufer
- Ein beliebiges Auffangseil mit Bandfalldämpfer
- Ein provisorisches Auffangnetz am Leiterfuss
14. Welche Voraussetzungen müssen gemäss den Regeln erfüllt sein, bevor Sie Arbeiten mit Anseilschutz und der Rettung von im Seil hängenden Personen aufnehmen?
- Ich arbeite nie allein, wenn ich mich mit PSA gegen Absturz sichere.
- Ich spreche das Rettungskonzept mit dem Vorgesetzten und den Kollegen ab.
- Ich informiere die lokale Feuerwehr über den Baustellenbeginn.
15. Ordnen Sie die Handlungen den entsprechenden Lebenswichtigen Regeln zu.
- Regel 1 → Nur bei fehlenden kollektiven Schutzmassnahmen Anseilschutz nutzen
- Regel 2 → Nur ausgebildet und in guter Verfassung arbeiten
- Regel 3 → PSA vor und nach dem Einsatz prüfen
16. Verbinden Sie die Vorbereitungs- und Ausrüstungsmassnahmen mit der korrekten Regel.
- Regel 4 → Sicherungssystem mit Vorgesetztem absprechen
- Regel 5 → Anschlagpunkte im Voraus gemeinsam bestimmen
- Regel 6 → Auffanggurt und Helm individuell anpassen
17. Bevor ich die Arbeiten mit Anseilschutz aufnehme, spreche ich das ___ mit meinem Vorgesetzten und den Kollegen ab.
Lückenwort: Rettungskonzept
18. Gemäss Regel 8 ist es zulässig, sich allein mit PSA gegen Absturz zu sichern, solange man über eine Funkausrüstung verfügt.
Richtige Antwort: Falsch
19. Was ist bezüglich der Auswahl des Sicherungssystems in Regel 4 vorgeschrieben?
- Ich spreche mit meinem Vorgesetzten ab, welches Sicherungssystem für den Arbeitseinsatz geeignet ist.
- Ich wähle eigenständig und ohne Rücksprache das leichteste System.
- Das System wird vom Hersteller des Auffanggurts vorgeschrieben.
20. Wie müssen Sie gemäss Regel 6 vorgehen, damit Auffanggurt und Helm optimal sitzen?
- Ich passe Auffanggurt und Helm meinem Körper an.
- Ich trage sie in Standardgrösse, da eine Anpassung nicht nötig ist.
- Ich lasse sie einmal jährlich durch den Hersteller einstellen.
