Maschinen- & Werkzeugsicherheit
Allgemeine Anmerkung zum Modul
Einstieg
Maschinen- und Werkzeugsicherheit im Gewerbe
Der korrekte Umgang mit Maschinen und Werkzeugen schützt Sie vor schweren Verletzungen und lebenslangen Einschränkungen. Funktionstüchtige Schutzeinrichtungen und diszipliniertes Arbeiten sind im Arbeitsalltag absolut unverzichtbar. Achten Sie konsequent auf die Vorgaben und lassen Sie sich niemals zu riskanten Handgriffen verleiten.
In der Werkstatt herrscht reger Betrieb. An der Kreissäge müssen rasch einige Platten zugeschnitten werden, während nebenan die Drehmaschine läuft. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit oder ein umgangener Spaltkeil genügen, um schwerwiegende Handverletzungen zu verursachen. Nur wer die Sicherheitsregeln strikt einhält, bleibt vor solchen Unfällen bewahrt.
Regel 1 — Kapp- und Gehrungskreissäge
Wie sicher sind die Kapp- und Gehrungskreissägen in Ihrem Betrieb und wie sicher arbeiten Sie und Ihre Mitarbeitenden damit? Funktionstüchtige Maschinen und eine gute Instruktion des Personals reduzieren das Unfallrisiko erheblich. Die Hauptgefahren sind: Schnittverletzungen durch Untergreifen des rotierenden Sägeblatts Verletzungen durch wegfliegende Werkstückteile und Späne Einklemmen der Hände zwischen Werkstück und Queranschlag Mit dieser Checkliste bekommen Sie solche Gefahren besser in den Griff.
- Standort, Umgebung
- Maschine
- Organisation, Schulung, menschliches Verhalten
Sichern Sie Kapp- und Gehrungskreissägen durch funktionstüchtige Maschinen und eine fundierte Instruktion gegen Untergreifen und wegfliegende Teile.
Regel 2 — Kreissäge zum Schneiden von stehenden Platten
Wird in Ihrem Betrieb den Gefahren beim Schneiden von stehenden Platten Rechnung getragen? Die Hauptgefahren sind: Schnittverletzungen durch das Sägeblatt Fussverletzungen durch herunterfallende, schwere Platten Erkrankungen wegen Lärm und Holzstaub An Kreissägen zum Schneiden stehender Platten kommt es immer wieder zu schweren Hand-/Armverletzungen. Hauptsächlicher Grund für diese Unfälle: nicht vorschriftsgemässes Arbeiten mit zurückgeschwenktem Spaltkeil und zurückgeschwenkter Schutzhaube. Besonders gefährlich wird es, wenn Werkstücke bearbeitet werden, für welche die Maschine gar nicht konzipiert ist: zum Beispiel für das Schneiden kleiner Werkstücke oder dünner, welliger Platten (Kunstharzplatten, Styropor usw.). Dabei wird der Benützer dazu verleitet, das Werkstück mit der Hand so nahe wie möglich beim rotierenden Sägeblatt abzustützen, was oft zu schweren Verletzungen führt. Mit dieser Checkliste bekommen Sie die Gefahren beim Schneiden von stehenden Platten besser in den Griff.
- Sägeaggregat
- Verdeckung des Sägeblattes
- Spaltkeil
- Werkstückauflage
- Späneabsaugung
- Organisation, Schulung, menschliches Verhalten
Verwenden Sie beim Schneiden stehender Platten stets den korrekten Spaltkeil und die Schutzhaube, um schwere Handverletzungen zu verhindern.
Regel 3 — Konventionelle Drehmaschinen
Wie sicher arbeiten Sie und Ihre Mitarbeiter/-innen an der Drehmaschine? Die Hauptgefahren sind: wegfliegende Späne Verletzungen durch das drehende Spannfutter Schnittwunden an den Fingern durch Berühren der Späne Mit dieser Checkliste bekommen Sie solche Gefahren besser in den Griff.
- Umgebung
- Maschine
- Organisation, Ausbildung, Verhalten
Schützen Sie sich an konventionellen Drehmaschinen vor wegfliegenden Spänen und greifen Sie niemals ins drehende Spannfutter.
Regel 4 — Tafelschere
Wie sicher ist die Tafelschere in Ihrem Betrieb? Und wie sicher wird damit gearbeitet? Obwohl die Gefahren beim Arbeiten an der Tafelschere den meisten bekannt sind, ereignen sich jedes Jahr etliche Unf lle, die zu schweren Fingerverletzungen f hren. Die Hauptgefahren sind: einklemmen von K rperteilen zwischen bewegten Teilen Schnittverletzungen bei der Handhabung von Blechen L rmbelastung beim Schneiden von Blechen Mit dieser Checkliste bekommen Sie solche Gefahren besser in den Griff. 1. F llen Sie die Checkliste aus. Wo Sie eine Frage mit nein oder teilweise beantworten, ist eine Massnahme zu treffen. Notieren Sie die Massnahmen auf der letzten Seite. Sollte eine Frage Ihren Betrieb nicht betreffen, streichen Sie diese einfach weg. 2. Setzen Sie die Massnahmen um
- Arbeitsplatz, Umgebung
- Maschine
- Organisation, Schulung, menschliches Verhalten
Bedienen Sie Tafelscheren nur mit intakten Schutzeinrichtungen, um Einklemmungen und Schnittverletzungen bei der Blechbearbeitung zu vermeiden.
Regel 5 — Kehlmaschine (Tischfräsmaschine)
Wie sicher arbeiten Sie und Ihre Mitarbeitenden an der Kehlmaschine? Laut Unfallstatistik ereignen sich an Kehlmaschinen zahlreiche Unfälle. Umso wichtiger ist es, etwas dagegen zu unternehmen. Die Hauptgefahren sind: Verletzungen durch das Werkzeug Verletzungen durch Werkstück-Rückschläge oder weggeschleuderte Werkzeugteile Erkrankungen wegen Lärm und Holzstaub Mit dieser Checkliste bekommen Sie solche Gefahren besser in den Griff.
- Antriebselemente
- Das zum Schneiden nicht benötigte Teil des Werkzeugs sichern
- Kehlanschlag
- Stossholz
- Das zum Schneiden benötigte Teil des Werkzeugs sichern
- Absaugung
- Organisation, Schulung, menschliches Verhalten
Sichern Sie an der Kehlmaschine den nicht benötigten Teil des Werkzeugs und den Anschlag zuverlässig ab, um Rückschläge zu verhindern.
Regel 6 — Abkantpresse
Beim Abkanten von Blechen können schwere Unfälle passieren. Nutzen Sie unsere Checkliste und überprüfen Sie, ob in Ihrem Betrieb für Arbeiten mit der Abkantpresse Sicherheitsmassnahmen notwendig sind.
Treffen Sie bei Arbeiten an der Abkantpresse konsequente Sicherheitsmassnahmen gegen das Einklemmen von Körperteilen.
Regel 7 — Abnahmecheckliste für Arbeitsmittel wie Maschinen, Geräte und Anlagen
Schliessen Sie mögliche Gefährdungen aus. Gehen Sie systematisch vor. Erkennen Sie Mängel und Schwächen, indem Sie der «Abnahmecheckliste für Arbeitsmittel» folgen, Punkt für Punkt.
Gehen Sie bei der Abnahme neuer Arbeitsmittel und Maschinen systematisch vor, um sämtliche potenziellen Gefährdungen rechtzeitig auszuschliessen.
Regel 8 — Abrichthobelmaschine
Schutzvorrichtung hin oder her: Eine Abrichthobelmaschine birgt Verletzungsgefahr, z. B. durch einen Rückschlag des Werkstückes. Sicherheitstipps für Profis finden Sie in unserer Checkliste.
Beachten Sie beim Betrieb von Abrichthobelmaschinen alle Schutzvorrichtungen, um sich vor dem gefährlichen Rückschlag des Werkstücks zu schützen.
Praxis-Szenario 1: Schnitt an der stehenden Platte
Sie müssen auf einer Kreissäge für stehende Platten ein schmaleres Reststück zuschneiden. Die Maschine ist dafür eigentlich nicht konzipiert.
Wie verhalten Sie sich korrekt?
- Ich stütze das kleine Werkstück ganz nah am Sägeblatt mit der Hand ab.
- Ich verwende eine geeignete Vorrichtung und bearbeite keine Werkstücke, für die die Maschine nicht ausgelegt ist.
- Ich schwenke den Spaltkeil kurz zurück, um schneller voranzukommen.
Praxis-Szenario 2: Maschinenabnahme (Führungssituation)
In Ihrem Betrieb wurde eine neue Kehlmaschine geliefert. Das Team möchte sie sofort in Betrieb nehmen.
Was ist Ihre Pflicht als Vorgesetzte oder Vorgesetzter?
- Ich erlaube die sofortige Nutzung, da neue Maschinen ab Werk immer sicher sind.
- Ich nutze die Abnahmecheckliste, um die Maschine systematisch zu prüfen und das Personal vor dem Start zu instruieren.
- Ich überlasse die Kontrolle komplett den Mitarbeitenden vor Ort.
Das Wichtigste in Kürze
- Prüfen Sie Maschinen vor jedem Einsatz auf ihre Funktionstüchtigkeit und intakte Schutzvorrichtungen.
- Verändern Sie niemals Schutzeinrichtungen wie Spaltkeile oder Abdeckungen eigenmächtig.
- Arbeiten Sie niemals an Maschinen, für die das Material oder Werkstück nicht konzipiert ist.
- Nutzen Sie Checklisten systematisch für die Gefahrenbeurteilung und Arbeitsmittelabnahme.
- Sorgen Sie durch eine fundierte Instruktion dafür, dass sich alle Mitarbeitenden sicher verhalten.
Quizfragen (20)
1. Welche Hauptgefahr besteht beim Arbeiten an Kapp- und Gehrungskreissägen durch Untergreifen?
- Schwere Schnittverletzungen am rotierenden Sägeblatt.
- Erkrankungen durch übermässigen Holzstaub.
- Verbrennungen durch heisse Späne.
2. Welche Gefahren treten beim Schneiden von stehenden Platten an Kreissägen besonders häufig auf? (Mehrere Antworten richtig)
- Schnittverletzungen durch das Sägeblatt
- Fussverletzungen durch herunterfallende, schwere Platten
- Erkrankungen wegen Lärm und Holzstaub
- Elektrische Schläge durch defekte Akkuschrauber
3. An konventionellen Drehmaschinen besteht unter anderem die Gefahr von Schnittwunden an den Fingern durch das Berühren von Spänen.
Richtige Antwort: Wahr
4. Ordnen Sie die Maschinen den typischen Gefahren zu:
- Tafelschere → Einklemmen von Körperteilen zwischen bewegten Teilen
- Kehlmaschine → Verletzungen durch Werkstück-Rückschläge
5. Beim Schneiden von stehenden Platten kommt es oft zu schweren Hand- und Armverletzungen, wenn mit zurückgeschwenktem Spaltkeil und zurückgeschwenkter ___ gearbeitet wird.
Lückenwort: Schutzhaube
6. Wie gehen Sie als Vorgesetzte oder Vorgesetzter bei der Beschaffung und Inbetriebnahme neuer Arbeitsmittel vor?
- Ich nutze die Abnahmecheckliste, um mögliche Gefährdungen systematisch auszuschliessen.
- Ich vertraue darauf, dass das Betriebspersonal die Maschinen eigenständig absichert.
- Ich warte ab, bis der erste Beinahe-Unfall gemeldet wird.
7. Welcher Faktor reduziert neben funktionstüchtigen Maschinen das Unfallrisiko an Kapp- und Gehrungskreissägen erheblich?
- Eine gute Instruktion des Personals
- Das Arbeiten mit erhöhter Geschwindigkeit
- Das Entfernen der Schutzhaube
- Das ausschliessliche Schneiden kleiner Werkstücke
8. Welche Hauptgefahren werden in Regel 1 für die Kapp- und Gehrungskreissäge genannt? (Mehrere Antworten richtig)
- Schnittverletzungen durch Untergreifen des rotierenden Sägeblatts
- Verletzungen durch wegfliegende Werkstückteile und Späne
- Einklemmen der Hände zwischen Werkstück und Queranschlag
- Erkrankungen wegen starkem Holzstaub
9. Beim Schneiden von stehenden Platten können laut Regel 2 auch Erkrankungen wegen Lärm und Holzstaub auftreten.
Richtige Antwort: Wahr
10. Wann wird es an Kreissägen zum Schneiden von stehenden Platten besonders gefährlich?
- Wenn Werkstücke bearbeitet werden, für welche die Maschine gar nicht konzipiert ist.
- Wenn die Maschine komplett ausgeschaltet ist.
- Wenn ausschliesslich grosse Platten geschnitten werden.
- Wenn der Spaltkeil vollständig eingerastet ist.
11. Ordnen Sie die Kontrollpunkte der Checkliste den jeweiligen Bereichen für Kreissägen zum Schneiden von stehenden Platten zu:
- Sägeblatt → Verdeckung
- Spanabfuhr → Späneabsaugung
- Materialführung → Spaltkeil
12. Welche der folgenden Gefahren gehört gemäss Regel 3 zu den Hauptgefahren an konventionellen Drehmaschinen?
- Verletzungen durch das drehende Spannfutter
- Einklemmen zwischen Werkstück und Queranschlag
- Fussverletzungen durch herunterfallende, schwere Platten
- Lärmbelastung beim Schneiden von Blechen
13. Was ist laut Regel 4 bei der Verwendung der Checkliste für die Tafelschere zu tun, wenn eine Frage mit nein oder teilweise beantwortet wird? (Mehrere Antworten richtig)
- Es ist eine Massnahme zu treffen.
- Die Massnahmen sind auf der letzten Seite zu notieren.
- Die Massnahmen sind umzusetzen.
- Die Maschine muss sofort verschrottet werden.
14. Laut Regel 4 ereignen sich beim Arbeiten an der Tafelschere trotz bekannter Gefahren jedes Jahr etliche Unfälle, die zu schweren ___ führen.
Lückenwort: Fingerverletzungen
15. Welche spezifischen Gefahren werden in Regel 5 für die Kehlmaschine (Tischfräsmaschine) genannt?
- Verletzungen durch das Werkzeug, durch Werkstück-Rückschläge oder weggeschleuderte Werkzeugteile sowie Erkrankungen wegen Lärm und Holzstaub
- Nur Schnittwunden an den Fingern durch das Berühren von Spänen
- Fussverletzungen durch herabfallende, schwere Platten
- Einklemmen von Körperteilen zwischen bewegten Teilen der Tafelschere
16. Welche Massnahmen bzw. Elemente gehören laut Regel 5 zur Checkliste der Kehlmaschine (Tischfräsmaschine)? (Mehrere Antworten richtig)
- Antriebselemente
- Kehlanschlag
- Stossholz
- Absaugung
17. Beim Abkanten von Blechen an der Abkantpresse können gemäss Regel 6 schwere Unfälle passieren.
Richtige Antwort: Wahr
18. Wie sollen Sie laut Regel 7 bei der Nutzung der Abnahmecheckliste für Arbeitsmittel vorgehen?
- Gehen Sie systematisch vor und folgen Sie dem Punkt für Punkt.
- Überspringen Sie unklare Punkte willkürlich.
- Nutzen Sie die Checkliste nur nach einem Unfall.
- Füllen Sie nur die letzte Seite aus.
19. Welche konkrete Gefahr wird in Regel 8 exemplarisch für eine Abrichthobelmaschine genannt?
- Ein Rückschlag des Werkstückes
- Das Einatmen von Kunststoffstaub
- Das Berühren von rotierenden Spänen am Spannfutter
- Das Herabfallen von schweren Platten
20. Laut Regel 8 schützt eine vorhandene Schutzvorrichtung an der Abrichthobelmaschine absolut zuverlässig vor jeder Art von Werkstück-Rückschlag.
Richtige Antwort: Falsch
